Mauern zu Bühnen im Innenhof des Landesmuseums Zürich.

Am Eröffnungstag reicht die Warteschlange vor dem Eingang bis zu den Stufen, die ins Shopville hinunterführen. Alle recken die Hälse, um die bunten Lichter zu sehen. In grossen, pinken Lettern, irgendwie viel zu weltlich für die Ausstellung übers Kloster Einsiedeln, die im Zürcher Landesmuseum gerade läuft, steht es draussen angeschrieben: ILLUMINARIUM.

ILLUMINARIUM ist ein Projekt der Zürcher Medienkünstler Projektil, in Zusammenarbeit mit den Machern des Zürcher Wienachtsdorf. Leute, die wissen, wie man Stimmungen erzeugt, Leute in Staunen versetzt, sie für eine Weile in eine andere Welt entführt. Diese andere Welt beginnt schon beim Betreten des Landesmuseums, allen Besuchern frei zugänglich, ein Winterwunderland des 21. Jahrhunderts, keinen Moment lang abgeschmackt. Buden, Tische, Zuckerwatte, und Lichter, Lichter, Lichter. Wie ein Weihnachtsmarkt, bloss viel schöner. Doch ein paar Schritte weiter, hinter ein paar Mauern, wird es noch bunter. Denn da ist Yuki.

Und Yuki ist nicht allein. Fussstapfen künden sie an, irgendwo hinter einer dieser altehrwürdigen Mauern muss sie sein. Noch bevor man sie sieht, die Dirigentin, Fabelwesen zwischen pazifistisch-weissfelliger Zyklopin und geweihter Hirschkuh-Göttin, werden die Mauern zu einer Bühne. Die hohen, schmalen Fenster des Landesmuseums sind Klaviertasten, das Drumset federt die Wände hinauf und hinunter.

Die Fabelband interpretiert unter Yukis Ägide aber nicht etwa schnöden Techno, sondern Ausschnitte aus Verdis La traviata. Eltern staunen, Kinder staunen noch viel mehr. Auch wenn jedes hergelaufene Spektakel behauptet, Jung und Alt gleichermassen zu begeistern: ILLUMINARIUM tut es wirklich. Klassik und Pokemon, Animation und Lichterzauber. Hier treffen sich Welten, prallen auf unglaublich zarte, poetische Weise aufeinander, tun, als wären sie schon immer ein Herz und eine Seele gewesen.